Bd. 1 (2016)

Verwaltungsgeschichte im Dialog/Administrative History in Dialogue

Editorial

Administory will Verwaltung historisieren, und zwar aus disziplinär, regional und zeitlich übergreifenden Perspektiven. Dieser programmatische Standpunkt hat uns dazu angeregt, im ersten Band die Dialogsituation zu reflektieren, wie sie in der Fotocollage auf dem Titel zum Ausdruck kommt. Wir wollen keine explizite Theoriedebatte lancieren; wir haben vielmehr Autoren mit unterschiedlichem disziplinärem und theoretischem Hintergrund dazu eingeladen, sich ausgehend von ihren eigenen Forschungsarbeiten in einen Dialog mit der Verwaltungsgeschichte zu begeben. 

Das Titelbild präsentiert eine Art Allegorie dieser Verwaltungsgeschichte im Dialog. Auf der linken Seite steht der Körper eines Historikers, einen zusammengerollten Plan und ein DIN-A4-Blatt in seiner rechten Hand. Auf seinen Hals montiert ist der Kopf von Niklas Luhmann, dem Verwaltungsbeamten unter den Soziologen und aktuellen theoretischen Kopf der Verwaltung. Luhmanns Kopf blickt mit offenem Mund nach links hoch zu einer anderen hybriden Gestalt im Anzug – halb Vogel, halb Mensch. Der Hühnermann steht seitlich zum Luhmann-Historiker und blickt seinerseits mit großen Augen streng auf ihn herunter. Und das alles situiert in einem artifiziellen, verwischten Ambiente. In dieser Collage haben wir das Setting der erwähnten Dialogsituation gezielt ›zugerichtet‹. Links der Verwaltungshistoriker, der – verwundert, befremdet – mit seinem Gegenstand – einem Beamten beziehungsweise der Verwaltung – kommuniziert. Der Hühnermann kann aber umgekehrt auch eine fremde Disziplin verkörpern, die gebannt die Verwaltungsgeschichte in den Blick nimmt. Die beiden Figuren sind dann nicht nur einander, sondern als Hybride auch sich selbst fremd, insofern sie auch ein anderer sind; zugleich sind sie einander nicht nur fremd, sondern als Hybride auch verwandt.

Unsere künstlerische Strategie sehen wir durchaus in Analogie zu einer wissenschaftlichen Reflexion über Staat und Verwaltung. Diese schafft sich durch die Wahl der konzeptuellen Grundlagen und der methodischen Instrumente einen Projektraum, der in einem ähnlich spannungsreichen Bezug zu dem untersuchten Wirklichkeitsbereich steht, wie der Begegnungsraum, in dem der Kopf Luhmanns auf den Hühnermann trifft. Dieser steht für einen transdisziplinären Austausch, der mit Aneignungen und Verfremdungen operiert, um das konzeptuell andere in die eigene Forschungswelt zu integrieren. Diesen Prozess sehen wir durch diese Figur von David Altmejd auf eine hintersinnige Weise, als Aneignung des Fremden im Eignen, veranschaulicht. Dem Sakkoträger Luhmann steht eine ebenfalls im Jackett erscheinende Kunstfigur gegenüber, die aufgrund des Aussehens nur teilweise in der Welt eines Luhmann verankert ist. Das scheint uns eine treffende Darstellung unserer eigenen Bemühungen, mit der Fremdheit unserer Forschungsgegenstände und interdisziplinären theoretischen Anregungen zurechtzukommen.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Stefan Nellen, Peter Becker

Artikel

Erk Volkmar Heyen
Peter Becker
Benjamin Schindler
Sigrid Wadauer
Kerstin Brückweh
Caroline Dufour
Frits van der Meer, Gerrit Dijkstra, Toon Kerkhoff
Valentin Seidler
Jean-Baptiste Fressoz
Burkhard Wolf

Relektüre

Rüdiger von Krosigk